FEELING AND FORM

Vorwort von Madeleine Schüpfer

Im Tanz geht es nie nur um den Tanz allein als erfassbare Bewegung, sondern um tiefgehende Befindlichkeiten, um das Emotionale, um die Erkennung innerer Zusammenhänge. In der wechselnden, subtil oder kraftvoll aufgebauten Bewegung, in der Schnelligkeit, im Verharren spielt man mit feinen Zusammenhängen, die alle die Struktur des augenblicklichen Tanzes zeichnen, betonen. Tanz ist eine einmalige Möglichkeit, innere Zusammenhänge darzulegen, so als würde man für Augenblicke aus sich selbst heraustreten, Verankerungen und Verwurzelungen hinter sich lassen und sich in einer einmaligen Leichtigkeit in den Raum schwingen, vom Raum Besitz ergreifen, Dinge sichtbar machen, die sonst verborgen bleiben. Der Tanz ist die älteste Ausdrucksform innerer Befindlichkeiten. Er zeichnet Bilder in den Raum, er spielt mit Inhalten, kreiert Geschichten, die alle in irgendeiner Form mit dem Menschen zu tun haben. Mit all dem von dem er umgeben ist, mit natürlichen Abläufen, mit fassbaren und solchen, die sich in einem offenen Raum befinden aus Gedachtem und Fantasievollem, aus Sehnsüchten und Hoffnungen. Er kann aber auch einfach nur das Erdige, das tief Verwurzelte unserer Existenz bewusst werden lassen. In sich ist Tanz als Ausdruck immer alles. Tanz muss man lieben, muss ihn in sich aufnehmen, den Spuren nachgehen, die er im Augenblick in den Raum zeichnet, wenn man ihn verstehen oder Inhalte vielleicht auch nur erahnen möchte. Nicht alles ist erfassbar, muss es auch nicht sein. Vieles darf geheimnisvoll bleiben, unbeantwortet im Raume stehen bleiben, so wie andere Dinge im Leben auch.

Im Tanz erkennt man nicht nur sich selbst mit seinen persönlichen Bedürfnissen und Vorstellungen, sondern man spürt auch, dass es Dinge gibt, die stärker sind als das, was wir bis in jede Einzelheit erfassen können. Auch die diesjährigen Tanztage, die nun am 21. November 2018 im Kulturzentrum Schützi ihren Anlauf nehmen, haben viele Geheimnisse in sich, Geschichten und Emotionen, Unfertiges und tief Erlebtes. Immer nimmt der Tanz uns mit auf eine persönliche Reise, die nach innen führt, sich nach aussen bemerkbar macht und in der Kombination von Fühlen und Formen zu einer einmaligen Einheit wird. Tanz ist einfach alles, das Erkennende und das zu Erahnende, ein Ding, das Zeichen setzt und uns Welten eröffnet. Gerade in einer Welt, die so auf das Reale ausgerichtet ist, die genau zu definieren liebt, was so ist oder eben anders. Wer den Tanz in sich aufleben lassen will, muss offen und mit einem Stück Begeisterung eintauchen, Bewegungsabläufe betrachten, Musik oder Sprache, Bilder, Licht und Veränderung auf sich wirken lassen und bereit sein, in ihm das zu finden, was eine beglückende Antwort auf das Leben ist. So gedacht ist der Tanz eine wunderbare Sache, die es zu vermitteln gilt, dem man mit viel Liebe und Aufmerksamkeit begegnen muss und der auch jungen Menschen ein Stück Inhalt und Geborgenheit bringen kann, die man sonst kaum erfährt. Tanz, Formen, Bewegung, Gefühl, erkennen von Strukturen sind Vorgänge, die verzaubern. Sind sie dann noch eingebunden in Musik, in Bilder, in Lichtspiele, so bekommt das Ganze einen Zauber, der mit nichts zu vergleichen ist. Aus diesem Grund muss man sich für den Tanz öffnen, für Formen und Gefühle, für Abläufe und für Bewegungen. Es ist dies eine wundersame Geschichte, die nirgendwo anfängt und auch nirgendwo aufhört.